Wenn Sie selbst mit dem Gedanken
spielen,
Ihre Kinder nicht nur in einer Sprache aufzuziehen
oder sich als Erzieher oder als Lehrer für zweisprachige
Erziehung interessieren, werden Sie in dieser Serie
natürlich auch eine Reihe hilfreicher Tipps finden,
wie Ihre Kinder erfolgreich zwei (oder mehr)
Sprachen erlernen können.
Zunächst soll aber der Blick darauf gelenkt werden,
weshalb gerade in jüngster Vergangenheit bei
vielen Eltern ein so großes Interesse an
zwei- oder mehrsprachiger Erziehung besteht:
*Wozu eine mehrsprachige
Erziehung?*
Dass kleine Kinder zwei (oder sogar mehr) Sprachen
gleichwertig bis zu einem hohen (muttersprachlichen)
Niveau erlernen können, ist sprachwissenschaftlich
unumstritten.
Gleichzeitig sind jene zweisprachig erzogenen Kinder,
die beide Sprachen hervorragend beherrschen,
gegenüber einsprachig aufgewachsenen Gleichaltrigen
klar im Vorteil: Hinsichtlich ihrer Intelligenzstruktur,
ihrer sozialen und kognitiven Fähigkeiten sowie
ihren Voraussetzungen, in späteren Lebensphasen
noch weitere Sprachen zu erlernen. -
In all diesen Bereichen schneiden mehrsprachige Kinder
in Studien im Vergleich zu einsprachig erzogenen
Kindern besser ab.
Zu beachten ist jedoch dabei, dass diese Vorteile
nur für solche Kinder gelten, die beide Sprachen
auf einem hohen Niveau beherrschen.
Wird eine oder werden gar beide Sprachen nur auf
einem mittleren oder niedrigen Niveau verstanden
und gesprochen, so können diese Kinder auch
im Nachteil gegenüber einsprachig aufgewachsenen
Kindern sein.
Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, Ihre Kinder
zweisprachig zu erziehen, sollten Sie also
von Vornherein darauf achten, dass beide Sprachen
nicht nur häppchenweise, sondern korrekt und umfassend
gelernt werden - ohne dabei natürlich Ihre Kinder
unnötig unter Druck zu setzen.
Bei vielen Eltern gewinnt das Interesse an einer zwei-
oder mehrsprachigen Kindererziehung gerade deshalb
an Bedeutung, weil sie ihre Kinder besser auf die
sich schnell wandelnde Welt vorbereiten möchten.
Schließlich werden in vielen Lebensbereichen
nationalstaatliche Grenzen immer unbedeutender
und die internationale Mobilität wächst beständig,
wodurch vielfältige und tiefgreifende Sprachkenntnisse
immer wichtiger werden.
Den Kindern soll also mit einer mehrsprachigen Erziehung
die Fähigkeit mit auf den Weg gegeben werden,
sich in einer sich schnell wandelnden Welt einfacher
zurecht zu finden und mit mehr Menschen kommunizieren zu
können.
Die Gründe, Kinder zwei- oder mehrsprachig zu erziehen,
sind aber auch in demographischen Ursachen zu finden.
Deutschland - Heimat unterschiedlicher
Sprachen
Viele Eltern möchten, dass ihre Kinder nicht nur die
deutsche Sprache, sondern auch ihre eigene Muttersprache
erlernen. Schließlich leben viele Menschen in der
Bundesrepublik, die eine andere Muttersprache sprechen
und diese Sprache auch gerne ihren Nachkommen mit auf
den Weg geben möchten.
Zweisprachige Erziehung, aber auch das Interesse einer
wissenschaftlichen Auseinandersetzung damit, sind heute
aktueller denn je - wie Ihnen folgende Entwicklungen der
bundesrepublikanischen Bevölkerungsstruktur verdeutlichen
sollen:
* Rund ein Fünftel der
deutschen Wohnbevölkerung weist
einen sogenannten Migrationshintergrund auf.
Als Menschen mit Migrationshintergrund werden vom
Statistischen Bundesamt all jene, in Deutschland lebenden
Personen gezählt, die seit der Gründung der Bundesrepublik
im Jahr 1949 eingewandert sind sowie deren Nachkommen.
Die Mehrheit dieser rund 15 Millionen Menschen besitzt
die deutsche Staatsangehörigkeit, viele von ihnen sprechen
aber neben der deutschen oft auch noch eine andere
(Mutter)Sprache.
* Bei Kindern unter fünf Jahren ist
die Zahl derer,
die als Kinder mit einem Migrationshintergrund gelten,
sogar noch höher als beim Rest der Bevölkerung:
Rund ein Drittel von ihnen hat zumindest einen Elternteil mit
„nichtdeutscher“ Abstammung. In den meisten
westdeutschen
Großstädten liegen diese Zahlen meist sogar noch höher.
* Etwa 10 % aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland
sprechen darüber hinaus eine andere Sprache als Deutsch
als ihre Erstsprache.
Wie Sie anhand dieser Zahlen sehen können, ist also eine
zwei- oder mehrsprachige Erziehung sicherlich nicht
die Ausnahme, sondern eine normale Erscheinung in einer
pluralistischen Gesellschaft.
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